2019 Mai

Schallplatte im Bauch

Zu Beginn der 1970er Jahre statteten einige Hersteller von Spielzeugpuppen diese mit Schallplattenlaufwerken aus.
So konnten sich Susi, Gabi und Bärbel mit ihren Puppenmüttern unterhalten,
und diese konnte ihnen sogar ein kurzes Lied vorsingen.
Technisch gesehen handelt es sich genau genommen
um recht einfach aufgebaute Grammophone mit Batterieantrieb:
eine beidseits bespielte Schallplatte mit knapp 6 Zentimeter Durchmesser
rotiert riemengetrieben auf einem Kunststoffplattenteller.
Mit einem Pitch Control lässt sich sogar die Rotationsgeschwindigkeit der Platte in Grenzen anpassen,
so dass die Puppe ihren Text oder ihr Lied von „langsam mit tiefer Stimme“ bis hin zu „schnell und piepsig“ vorträgt.
Eine Stahlnadel tastet die relativ breite und in Tiefenschrift produzierte Rille ab
und überträgt die Schwingung der Nadel direkt, also ohne elektrischen Verstärker,
auf eine parallel zur Schallplatte liegende Lautsprechermembran – ähnlich wie beim Edison´schen Phonographen.
Eine Lautstärkeregelung ist somit nicht möglich.
Insbesondere die Verringerung der Lautstärke
hätte sich so manches nicht mitspielende Familienmitglied seinerzeit gewünscht.

Kaum eine der Sprechpuppen ist heute noch voll funktionsfähig,
sei es durch zu häufiges Bespielen der ohnehin sehr empfindlichen Konstruktion,
oder weil der eher technikinteressierte große Bruder
einen wenig professionell durchgeführten chirurgischen Eingriff zwecks Erforschung der Sprechfunktion
an der Puppe vorgenommen hatte.

(tp)