2020 Januar

Farbiges Vinyl

Schallplatten müssen nicht schwarz sein!
Seit Jahrzehnten werden Schallplatten in allen erdenklichen Farben produziert,
einfarbig oder meliert, opak oder transparent, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Rohmasse zur Herstellung von Schallplatten ist seit dem Ende der Schellack-Ära um 1950
ein thermoplastisches Kunststoffgranulat, bestehend unter anderem aus Polyvinylchlorid,
daher die umgangsprachliche Bezeichnung „Vinyl“ für Schallplatten, und aus Farbpigmenten.
In einem Extruder werden aus diesem Granulat homogene, puckförmige Preßmassekuchen gefertigt,
welche dann vorgewärmt in die Plattenpresse gelegt und mit den beiden Labels für A- und B-Seite versehen werden, um anschließend unter hohem Druck zur Schallplatte zu mutieren.

Jede Pressmassefabrik hatte ihre geheimgehaltene Rezeptur. So auch die TELDEC.
Das „Nortorfer Vinyl“ war berühmt für allerhöchste Qualität und damit Garant für optimale klangliche Eigenschaften. Und so haben auch andere Presswerke, darunter auch Hersteller audiophiler Schallplatten
wie das US-amerikanische Unternehmen „Mobile Fidelity Sound Lab“ (MFSL)
ihre Produkte gerne auf TELDEC-Masse hergestellt und diese in Nortorf eingekauft.
Zu erkennen ist dies übrigens sehr einfach:
halten Sie einmal eine schwarze Schallplatte aus Nortorfer Fertigung – oder eine MFSL – vor eine helle Lichtquelle,
Sie werden eine ganz schwache bräunliche Transluzenz bemerken,
während schwarze „Fremdfabrikate“ vollständig opak sind.

„Aber warum sind denn nun die allermeisten Schallplatten schwarz? Bunt sieht doch viel schöner aus!“

Das stimmt zwar, jedoch wurde in der Zeit vor 1981 (Einführung der CD) immer wieder behauptet,
schwarzes Vinyl habe audiophilere Eigenschaften als buntes, klinge also am besten.
Da heute sehr viel mehr Neuproduktionen farbig hergestellt werden als früher,
scheint dieses Argument entweder nicht zuzutreffen
oder das farbige Vinyl hat einen Qualitätsschub nach vorne erlebt.

Der Hauptgrund ist jedoch ein äußerst pragmatischer:
auf der schwarzen Scheibe erkennt man Staub und Kratzer am allerbesten.

(tp)