Dezember 2020

Der Weg der Töne.
Wie wir Musik festhalten und unvergänglich machen.

Nehmen wir ein Gemälde. Ich kann es hervorholen und betrachten. In aller Ruhe, ohne Zeitbeschränkung und immer wieder, wann es mir gefällt.

Ganz anders aber die Musik. Die Musik bleibt nicht stehen, wenn wir sie genießen. Die Zeit ist ein Teil des Wesens der Musik. Es gibt einen Anfang und ein Ende, eine Dauer, verschiedene Tempi und Lautstärken, ein An- und Abschwellen, Klingen und Verklingen.

Diese Unstetigkeit und Vergänglichkeit war die Ursache dafür, dass es rund 3000 Jahre gedauert hat, bis ein Menschheitstraum in Erfüllung gehen konnte. Sprache und Musik haben seit jeher Faszination auf den hörenden Menschen ausgeübt. Und so sind bereits Versuche früher chinesischer Gelehrter überliefert, diese faszinierende Erscheinung festzuhalten und der Nachwelt zu erhalten.

Aber erst ab etwa Mitte des 19. Jahrhunderts sind anwendungsgeeignete Wege und Geräte gefunden und entwickelt worden, – die ersten Sprechmaschinen und Walzenspieler, Phonographen und Grammophone. Diese haben in den folgenden rund 150 Jahren bis zum Ende des 20. Jahrhunderts über viele technische Entwicklungsschritte eine unglaubliche Erfolgsgeschichte durchlaufen. Diese reicht von der Wachswalze über die Schellackplatte zur Stereo-Vinyl-Schallplatte, von dem mechanischen Edison-Phonographen über einfache elektro-mechanische Plattenspieler bis hin zum hochwertigen Schallplattenlaufwerk mit Magnet-Tonabnehmer, HiFi-Verstärker- und Lautsprechersystem. Mit CD, mp3 und Streaming Media ist diese Entwicklung sicher noch nicht beendet. All das hat aber dazu geführt, dass Musik heute ubiquitär und praktisch für jeden beliebig verfügbar ist.

Was aber ist der Grund, dass diese Entwicklung 3000 Jahre gedauert hat? Was ist das Spezifische von Sprache, Gesang und Musik? Aus der nüchternen Sicht des Physikers betrachtet, handelt es sich um Schwingungen, Töne, Klänge, welche – z.B. durch die menschliche Stimme oder von Instrumenten erzeugt – sich im Raum ausbreiten und vom Hochleistungsorgan „Ohr“ aufgenommen werden. Es geht also darum, Schwingungen technisch zu erfassen und sie unverfälscht und rückholbar zu dokumentieren.

Es war dem genialen Erfinder Thomas Edison vorbehalten, aufbauend auf Vorarbeiten seiner Erfinderkollegen Leon Scott und Alexander Bell 1877 einen Zinnfolien-Phonographen zum Patent anzumelden. Dieser war bei Vorführungen in der Lage, das von Edison in die Membran gesprochene amerikanische Kinderlied „Mary had a little lamb“ verständlich wiederzugeben.
Welch ein Erfolg und Meilenstein!

Was sich hieraus entwickelt hat und wie der Weg der Töne und die Aufzeichnung von Schwingungen, Tönen und Klängen tatsächlich bei der Schallplattenfabrikation der TELDEC in Nortorf umgesetzt wurde, das können Sie sich im Deutschen Schallplattenmuseum Nortorf selbst ansehen und fachkundig erläutern lassen. Einfache Experimentalvorführungen zur Akustik können dies auch jungen Interessierten veranschaulichen. Pandemiebedingt ist dies leider vorübergehend nicht möglich. Wir halten Sie auf unserer homepage auf dem Laufenden.

Edison Home Phonograph – Baujahr 1906

Das gesamte Museumsteam wünscht Ihnen eine schöne Adventszeit, frohe Weihnachten und ein besseres neues Jahr als das vergangene.
Bleiben Sie gesund!

(hdh)