Oktober 2020

Eine Uhr-Sache

Rund um die Schallplatte gibt es immer wieder skurrile Dinge: nicht nur die im vergangenen Monat an dieser Stelle vorgestellte Schokoladenschallplatte, sondern auch Uhren wie die hier gezeigte. Der 1925 in Falkenau an der Eger geborene Ernst Mosch besuchte 1939 die Städtische Musikschule in Oelsnitz/Vogtland, wo er während der Zeit des Zweiten Weltkriegs Geige, Flügelhorn und Posaune studierte. In der Nachkriegszeit verdiente er sich sein Geld in amerikanischen Clubs, wird später Mitglied des Hamburger Rundfunk-Tanzorchesters und kommt als 26-jähriger zum Südfunk-Tanzorchester nach Stuttgart, wo er mit seiner Posaune eher jazzige Klänge begleitet.
Doch sein echtes Faible ist die Polka & Co. Und so kommt es 1956 zur Gründung seiner Original Egerländer Musikanten, die zu einer der erfolgreichsten Volksmusiktruppen werden. Insgesamt werden über die Jahrzehnte mehr als 40 Millionen LPs, EPs, MCs, Singles und CDs produziert, von denen die allermeisten bei TELEFUNKEN und DECCA, also bei der TELDEC-PRESS erscheinen.

Die hier gezeigte Uhr ist anläßlich des 30-jährigen Bestehens von „Ernst Mosch und seine Original Egerländer Musikanten“ im November 1986 von der TELDEC als Picture Disc hergestellt worden.
Ich habe – rein interessehalber – einmal das Uhrwerk demontiert und die Schallplatte abgespielt: es handelt sich tatsächlich um den Titel „Speelwark“ auf einer 30-cm-Maxisingle, abspielbar mit 45 UpM. Auf der Rückseite befindet sich der Titel „Diese Musik, ja die gefällt“, ebenfalls als Picture Disc mit einem Foto der gesamten Egerländer Musikgruppe. Wir haben es hier also sozusagen mit einer Wendeuhr zu tun.
Übrigens ist dieser exklusive Tonträger nicht in der Online-Musikdatenbank Discogs verzeichnet und damit gewissermaßen eine Rarität (für die Insider und Kenner der Zeitschrift „MINT – Magazin für Vinyl-Kultur“: ein Anwärter auf einen Platz in „FÜNF FÜR DIE RENTE“).
Nun ist ja bekanntermaßen das Genre Volksmusik eines, an dem sich die Geister scheiden: man liebt es oder man mag es gar nicht. Aber immerhin ist im Jahre 2020 die Volks- und Blasmusik bei 23,5 % der Bevölkerung ab 14 Jahren die bevorzugte Musikrichtung (Quelle: Deutsches Musikinformationszentrum Bonn, 9/2020). Im Umkehrschluß bedeutet dies, dass bis zu 76,5 % der Deutschen wohl nicht ganz so gerne Volksmusik hören. Dieses Genre scheint doch mehr als andere zu polarisieren.
Möglicherweise trifft in unserem Museum ja irgendwann noch einmal eine andere Schallplattenuhr ein, vielleicht „Rock Around The Clock“ von Bill Haley oder Natalie Cole´s „As Time Goes By“.
Somit bitte ich um Entschuldigung für diese Präsentation, die möglicherweise nicht den Geschmack der Mehrheit trifft und hoffe, der geneigte Leser dieser Zeilen antwortet mir an dieser Stelle in Korrektur der Überschrift dieses Artikels mit „Keine Ursache“.

(tp)