Juli 2022

Exponat des Monates

Direct-To-Disc, was ist das denn nun wieder?

Der sogenannte Direktschnitt führt uns zurück in die Anfangszeit der Aufnahmetechnik, ans Ende des 19. Jahrhunderts. Damals legte Emil Berliner den Grundstein für die Produktion von Schallplatten. Es gab seinerzeit noch keine Magnetbandgeräte, mit deren Hilfe akustische Darbietungen aufgezeichnet, korrigiert und geschnitten werden konnten, um die finale Abmischung, sprich: „das Mastertape“ herzustellen und dieses dann nach Abschluss der Studioarbeiten für den Schnitt in die Lackfolie, die Urversion für die spätere Schallplattenproduktion zu verwenden.

Die hier vorgestellte Schallplatte „A Song Was Born“ von der Kopenhagener „Papa Bue´s Viking Jazz Band“ ist ein Direktschnitt.

—-> absolut authentisch: denn die Künstler präsentieren wie in einem LIVE-Konzert all ihr musikalisches Können. Einmal verspielt bedeutet, das ganze bitte noch einmal ganz von vorne.
—-> absolut analog: ohne digitale oder andere technische Manipulation welcher Art auch immer.
—-> absolut unverfälscht: das Instrument, die Stimme, die Musik wird über das Mikrofon direkt auf die Schallplatte gebannt.

Das Ergebnis ist ein musikalisches Erlebnis mit Gänsehautfeeling.

Eine der bekanntesten Direct-To-Disc Produktionen ist das Album „Knock Out“ des Schweizer Schlagzeugers Charly Antolini aus dem Jahre 1979. Hier wurde die HiFi-Hardware auf eine extrem harte Probe gestellt. Wer aus lauter Begeisterung zu unvorsichtig mit dem Lautstärkeregler umging, erlebte gerne mal durchgebrannte Verstärkerendstufen oder zerfetzte Lautsprechermembranen. Diese Platte ging als potentieller Boxenkiller in die Vinylgeschichte ein.

Ich gebe zu: Der Versuch einer Erklärung der Direct-To-Disc-Technik allein mit Worten ist äußerst schwierig und trocken. So werden Sie sich nun möglicherweise fragen: was wird denn hier nun eigentlich wirklich direkt geschnitten? Der Stoff fürs Kleid? Die Wurst fürs Brot? Was bedeutet „Die Musik in die Lackfolie schneiden?“. Verstehe ich einfach nicht, ich kann mir das alles überhaupt nicht vorstellen!
Bitte haben Sie noch ein wenig Geduld. Die Eröffnung des Deutschen Schallplattenmuseums im Kesselhaus rückt in immer greifbarere Nähe. Wenn alles klappt – und wir liegen gut im Zeitplan – wird es spätestens im Oktober 2022 soweit sein. Wir arbeiten eifrig daran, Ihnen eine spannende und authentische Reise durch die Geschichte der TELDEC, durch die Musikkultur und durch die Technik der Tonträgerentwicklung vorzustellen und Ihnen anhand unserer Exponate all dies genau zu erklären – auch die Direktschnitttechnik.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

 

Text und Foto: Thomas Perkuhn

Steckbrief des Tonträgers:

A Song Was Born
25 Jahre Papa Bue & The Viking Jazz Band

Genre:                     Traditional Jazz
Label:                       Jeton
Aufnahme:               1. und 2. Mai 1981, Tonstudio Bauer, Ludwigsburg
Tonträger:                LP, 150 g, 33 UpM, stereo
Laufzeit:                   32:33
Limitierte Auflage:   15.000
Herstellungsland:     Deutschland

A1   Stardust
A2   Smiles
A3   My Monday Date
A4   When The Saints
B1   Panama Rag
B2   St. James Infirmary
B3   Dardanella
B4   A Song Was Born