Schallplattenpresse

Nortorf. Es rattert, es zischt, es pfeift, Metall schabt auf Metall – und alle gucken sich zufrieden an. Der Förderverein Museum Nortorf hat im alten Kesselhaus der ehemaligen Schallplattenfabrik Teldec Press eine alte Schallplattenpresse wieder in Betrieb genommen. Gut 30 Jahre hatte die zwei Tonnen schwere Maschine im Keller der Fabrik und später im Fundus des Museums gestanden, jetzt funktioniert sie wieder.

  • Karl-Heinz Schümann hat als Teldec-Mitarbeiter noch an der Plattenpresse gearbeitet. Hier demonstriert er die Arbeitsschritte von damals.

Dabei sei eigentlich gar nicht so viel zu tun gewesen, berichtete der frühere Teldec-Mitarbeiter Karl-Heinz Schümann, der die Presse zusammen mit Ronald Jabusch und dem technischen Leiter des Vereins, Bernd Lacher, wieder in Schuss gebracht hatte. Nur ein paar Hydraulikschläuche anschließen und einen Kompressor, und die Maschine lief wieder. Das eigentliche Wunder sei das Steuergerät gewesen, das die Arbeitsschritte nacheinander ablaufen lässt, meinte Schümann: Heizzeit, Nachheizzeit, Kühlzeit. Diesem Kasten mit den Maßen eines großen Schuhkartons sieht man sein Alter wirklich an. Die Farbe ist stellenweise abgeplatzt, Rost hat sich breit gemacht. In Innern funktioniert jedoch noch alles: angeschlossen, grüne Kontrollleuchte brannte, alle Arbeitsschritte wurden exakt nacheinander in Gang gesetzt.

Tatsächlich Schallplatten lassen sich mit der alten Presse jedoch noch nicht produzieren. Was bisher getestet wurde, war nur die Mechanik. Was noch fehlt, ist der 180 Grad heiße Dampf, der das Vinylgranulat, aus dem Schallplatte besteht, verflüssigt, und der Anschluss für das Kühlwasser, das die Platte nach dem Presse auf eine Temperatur bringt, mit der sie der Presse entnommen werden kann. Diese Anschlüsse könnten aber gelegt werden, wenn das alte Kesselhaus tatsächlich zu einem neuen Schallplattenmuseum umgebaut wird. Ob dieser Plan verwirklicht werden kann, ist Gegenstand eines Bürgerentscheids, zu dem die Nortorfer Bürger am 6. Oktober aufgerufen sind.

Dieser Schallplattenpressen waren übrigens eine Eigenentwicklung des Teldec-Werkes. 51 Stück wurden nach Worten von Lutz Bertram, Vorsitzender des Fördervereins, Ende der 60er-Jahre in Nortorf gebaut. Durch die neuen Geräte sei das Arbeiten so leicht geworden, dass nun auch Frauen die Pressen bedienen konnten. Bis dahin sei das echte Schwerarbeit gewesen. Als die Eigenbauten Mitte der 70er-Jahre durch modernere schwedische Pressen ersetzt wurden, seien 39 von ihnen verschrottet worden, erzählt Bertram weiter. Zwölf behielt die Teldec-Press zunächst noch für Sonderproduktionen wie zum Beispiel Platten in bunten Farben. Spuren des farbigen Granulats finden sich übrigens noch heute in den Ritzen der beiden Maschinen, die der Verein besitzt.